Im Mai 2015 reist Bilal nach Syrien und schließt sich dem IS an. Seine Mutter bekommt davon nichts mit. Wann und wie ist er ausgereist, was hat ihn gelockt?

Bilal, der mit bürgerlichem Namen Florent heißt, kommt als Kind mit seiner Mutter und seinem Bruder aus Kamerun nach Deutschland. Er ist ein quirliger Junge, ein Racker, eine Stimme auf dem Pausenhof. Und für seine alleinerziehende Mutter, eine Christin, ein lieber Sohn. Mit 14 geht er plötzlich in die Moschee, konvertiert zum Islam, nennt sich Bilal und gerät in salafistische Kreise. Bilal trägt jetzt weiße Pluderhosen und verteilt an den Wochenenden den Koran.

Mit 17, im Mai 2015, verlässt Bilal Deutschland und schließt sich dem IS in Syrien an. Seine Mitschüler erfahren davon in einer Audiobotschaft, die er ihnen schickt und in der er davon erzählt, wie die Anhänger des IS in den Kampf geschickt werden: „Das ist so, du kannst gleich ’ne Pistole nehmen und dir ins Kopf schießen.“ Danach meldete er sich nicht mehr. Kein Lebenszeichen. Eine Leiche gibt es nicht, aber der Verfassungsschutz geht zwei Monate später davon aus, dass Bilal tot ist. Die Trauerfeier findet im Mai 2016 in Hamburg statt.

In der fünfteiligen Serie erzählt der Autor Philip Meinhold Bilals Geschichte. Er spricht mit Verwandten und Bekannten von Bilal, mit Experten von Sicherheitsbehörden sowie Vertretern der islamistischen Szene. Eine packende Recherche zu den Ursachen und Umständen einer Radikalisierung – und einem bislang ungeklärten Tod.