Bevor Karl May mit seinen Reise- und Abenteuergeschichten weltberühmt wurde, verfasste er unter anderem Humoresken und historische Erzählungen. Seine in den Jahren 1875 bis 1883 veröffentlichten Geschichten über die Gestalt Leopold I. zählen zu Mays Frühwerk. Der Schriftsteller war fasziniert vom „Alten Dessauer“ und wirft in seinen Geschichten einen humoristischen Blick auf den preußischen General. Einerseits beschreibt er ihn als roh, versoffen und despotisch, anderseits als weich, verständig und leutselig.

Die Geschichten handeln meist vom Zusammenkommen zweier Liebender trotz widriger Umstände. In jeder Geschichte tritt der „Alte Dessauer“ inkognito auf, er verkleidet sich als Bäckergeselle, Bettler, Drehorgelspieler oder Scherenschleifer. So mischt er sich unter das Volk, um „Lange Kerls“ für seine Armee zu fangen oder zu erfahren, was man über ihn und seine Politik denkt. Dabei gerät er durch Missgeschicke immer wieder in urkomische Situationen.